FIAC - Prof. Dr. Knut Henkel


Nachhaltigkeits- und Finanzberichterstattung

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Impairment: Bemessung


Bei der Bemessung des Impairments (Impairment: Überblick) – insbesondere beim allgemeinen Verfahren (Impairment: Allgemeines Verfahren) – kommen grundsätzlich zwei Berechnungsmethoden zum Einsatz. Auf EinzelengagementEbene (z.B. beim allgemeinen Verfahren auf Stufe 3) wird das Impairment in Form des erwarteten Kreditverlustes über die Laufzeit (Over Lifetime Expected (Credit) Loss (oL)) indirekt über die Discounted Cashflow Methode (DCF) ermittelt. Hier ergibt sich die Höhe des Impairments indirekt aus der Differenz des Buchwert und des niedrigeren nachhaltig zu erzielenden Betrages, welcher anhand der DCF-Methode wie in Abb. 21 dargestellt ermittelt wird.

Abb. 21: Impairment Bemessung – Indirekte Ermittlungsmethode

Ausgangslage: 5 Jahres Kredit mit einer Festverzinsung von 4,7% und einem Nominalbetrag von 1.250 EUR. Da der Kredit mit nur 1.000 EUR und somit einem Disagio (Abgeld) von 250 EUR ausbezahlt wurde, beträgt der Historische Effektivzinssatz 9,972%. Es wird erwartet, dass die vertraglich vereinbarten Zinszahlungen von jeweils 58,75 EUR der nächsten beiden Jahre aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten des Schuldners nicht geleistet werden können. Kürzt man die erwarteten Zahlungsausfälle entsprechend im Zähler der DCF-Formel und diskontiert die noch erwarteten Zahlungen mit dem historischen Effektivzinssatzes i.H.v. 9,72% ab, ergibt sich ein Barwert der nun erwarteten Cashflows von nur noch 898 EUR. In Höhe der Differenz zum bisherigen Buchwert von 1.000 EUR, ergibt sich in diesem Fall ein Impairment auf Einzelengagement-Ebene von 102 EUR. Die Ermittlung des Impairments auf Portfolioebne (z.B. beim allgemeinen Verfahren auf Stufe 1 und 2) erfolgt i.d.R. direkt durch die Ermittlung des Barwertes der nicht erwarteten Cashflows (Shortfalls) mit Hilfe der ECL-Formel (Abb. 22).

Abb. 22: Impairment Bemessung – direkte Ermittlungsmethode

Würde man das Zahlenbeispiel aus der Abb. 21 zu Grunde legen, so würde sich ein direkt ermittelter ECL-Impairment in Höhe von 102 EUR ergeben, wenn die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditnehmers (PD) 100%, die Engagementhöhe bei Ausfall (EAD) 1.000 EUR und die Prozentuale Verlusthöhe bei Ausfall (LGD) 10,20% wäre. Eine Verlusthöhe von nur 10,20% könnte beispielsweise durch eine dingliche Sicherheit bei einem Hypothekendarlehen entstehen, wo durch die Verwertung des Objektes (z.B. eine Immobilie) in dem Beispiel noch 89,8% erzielt werden kann, so dass sich die tatsächliche Verlusthöhe auf 10,20% beschränkt. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass die ECL-Methode insbesondere bei den Stufen 1 und 2 des allgemeinen Verfahrens verwendet wird und da systemimmanent die PD niedriger ist als 100%

Hier finden Sie weitere Definitionen & Bedeutungen von Fachbegriffen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 (und HGB).

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