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nÜTZLICHES ZU WEBINAREN

Hier finden Sie einige Überlegungen, wenn Sie erstmals Seminare / Vorlesungen online (digital) anbieten wollen.


0. Vorab

Ich selber bin kein (technischer) Experte auf dem Gebiet der Online-Seminare /-Vorlesungen, sondern habe mich im Rahmen der Coronavirus-Krise zwangsläufig mit diesem Thema aus Anwendersicht (Rolle: "Moderator/Veranstalter" sowie "Teilnehmer") auseinandersetzen müssen.


1. Wofür?

Wofür konkret wollen Sie Seminare/Vorlesungen online anbieten. D.h. welche Funktionen sollen abgedeckt werden und wollen Sie diese synchron oder asynchron anbieten?












Welche/s konkreten Ausgangsszenario/ien haben Sie:

  • Vorlesung mit begleitender Übung,
  • Flipped Classroom / Blended Learning
  • Seminaristischer Unterricht
  • Planspiel

--> Details zu den Szenarien siehe Bonne/Jonas/Rademacher, Digitale Lehre, kostenloses EBook über App "Litello"


2. Welches Tool?

Lernplattform

  • Ausgangspunkt für eine Online-Vorlesung sollte die Nutzung der vorhandenen Lernplattform sein (z.B. Moodle).
  • Hierüber können z.B. die Vorlesungscharts (z.B. Pdf-Datei der PowewrPointCharts) sowie weitere Arbeitsmaterialen zum Downloaden eingestellt werden.


Videokonferenztools

  • Durch die Nutzung von Videokonferenztools besteht z.B. die Möglichkeit, die eignen Seminar-/Vorlesungscharts online zu erläutern. Dies kann z.B. synchron oder asynchron erfolgen und mit Video oder nur mit Audio.
  • Gängige kommerzielle Videokonferenztools sind z.B. (alphabetisch): Adobe Connect, Avaya, GoLive Funktion von Discord, Google Suite, Jitsi, Microsoft Teams, Samba Live , TechSmith-Produkte (Snagilt und Camtasia), WebEx, Zoom, 8x8 Video Meetings. Darüber hinaus gibt es auch open soruce Tools wie z.B. BigBlueButton.
  • Zum Stand 27.03.2020 können die meisten der genannten Systeme kostenlos getestet werden. Unter dem folgenden Link gibt es eine Übersicht der Angebote mit den entsprechenden Anmeldelinks: https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/sonderlizenzen-corona
  • Empfehlung: probieren Sie ruhig einige der Testversionen aus. Sehr einfach zu bedienen ist z.B. Zoom.
  • Im Internet gibt es eine Vielzahl von Erklärvideos zu der Funktionsweise vder vierschiedenen Videokonferenztools. Die Funktionalitäten der Tools ähneln sich meistentens. Kennt man erst einmal ein Tool, so kann man sich bei einem anderen Tool relativ schnell zurecht finden. Am Beispiel von Adobe Connect werden die generellen Funktionsweisen eines Videokonferenztools in den nachfolgenden Erklärvideos gut erklärt. Nach einer Einführung werden die unterschiedlichen Rollen eines Videokonferenztools beschrieben: Nutzer, Moderator, Veranstalter. Wollen Sie ein Online-Seminar/-Vorlesung durchführen, haben Sie die Rolle des Moderators als auch die des Veranstalters. Sie sollten aber auch wissen, welche Möglichkeiten die Nutzer haben. Insofern empfiehlt es sich die nachfolgenden Lehrvideos der Reihe nach anzugucken. Insgesamt brauchen Sie dafür ca. 40 Minuten:
    - 1/4: Grundlagen
    - 2/4:  Rolle "Nutzer"
    - 3/4: Rolle "Moderator"
    - 4/4: Rolle "Veranstalter"


Weitere Tools

  • Neben Videokonferenztools gibt es weitere Tools, die für Online-Seminare / -Vorlesungen verwendet werden können.
  • PowerPoint: Mit der Aufnahmefunktion von PowerPoint kann man PowerPointCharts erläutern und diese als Video oder nur Audio zusammen mit den Charts abspeichern.
  • Datenkomprimierungstools: Insbesondere Video-Dateien können sehr umfangreich werden. Diese kann man mit Datenkomprimierungstools (Transkodierung von Videodateien) verringern. Eine gängige Freeware ist "Handbrake".


3. Welche Hardware?

  • Grundsätzlich reicht z.B. ein handelsübliches Notebook. Dieses hat alle für eine Videokonferenz/Aufzeichnung notwendige Ausstattung, wie Kamera, Mikro, Tonausgabe
  • Sinnvolle Zusatz-Hardware für eine bessere Qualität können sein: ein Headset und/oder eine externe Kamera. Ich verwende hier z.B. ein handelsübliches Headset (ca. 50 Euro) und eine handelsübliche externe Kamera (ca. 90 Euro) jeweils von Logitech. Wenn man viel die Schreib-/Zeichenfunktion (z.B. eines Whiteboards) nutzen möchte, kann es hilfreich sein, ein Notebook zu haben, auf dessen Oberfläche man mit einem Digitalstift schreiben kann. Denn ein zielgenaues Schreiben/Zeichnen mit der Mouse ist schwierig und anstrengend. Ich habe z.B. einen Fujitsu-Notebook der T-Serie mit einem Digitalstift.
  • Wenn man viele Videodateien erstellt, muss man berücksichtigen, dass man (z.B. auf der Lernplattform) ein Speicherproblem bekommen kann. Hier bietet sich z.B. an, die die Dateien extern in der Cloud abzulegen. Z.B. von Moodle aus kann man dann auf die Videodatei in der Cloud verlinken. Für Wissenschaftler in Niedersachsen stehen z.B. 50GB kostenlos auf der sog. accademiccloud zur Verfügung.

 


4. Weitere nützliche Tipps?

  • Wenn Sie die Funktionen von Videokonferenztools ausprobieren, schicken Sie sich parallel einen Einladungslink auf ihr Smartphone. Dann können Sie das, was Sie in Ihrer Rolle als "Moderator" z.B. am Notebook ausprobieren,  parallel in der Rolle als "Nutzer" verfolgen.
  • Wenn Sie eine Videokonferenz live durchführen, eröffnen Sie das Meeting bereits 15 Minuten früher, so dass jede/r Teilnehmer/in die Technik ausprobieren kann, und Sie pünktlich starten können.
  • Wenn Sie viele Teilnehmer/in bei einer live durchgeführten Videokonferenz haben, stellen Sie in Ihrer Rolle als "Moderator" alle Mikrofone zunächst stumm ("mute"), da ansonsten die vielen Hintergrundgeräusche das Gesprochen überlagern. Teilnehmer können sich elektronisch zu Wort melden und erhalten dann Rederecht.
  • Bei der Auswahl der (kommerziellen) Videokonferenztools ist auch auf die Einhaltung des Datenschutzes zu achten. Ob man sich hier dem Mindestdatenschutz, also dem Einhalten der DSGVO, zufrieden gibt oder aber selber strenge Maßstäbe ansetzt, muss jeder Anwender für sich entscheiden. Einige der kommerziellen System erfüllen zwar die DSGVO, aber z.B. durch die Notwendigkeit des Herunterladens eine Desktop-Client stimmt man letztendlich der Verwendung von Tracking-Systemen (wie z.B. Google Analytics) und damit der Verwertung der eigenen Daten zu.
  • Zu berücksichtigen sind auch die Copyrights. Insofern sollte aufgezeichnetes Onlinematerial auf jeden Fall einen entsprechenden Disclaimer enthalten.



5. Meine E-Leraning-Konzeption

  • VORAB: Letztendlich ist es nicht mit der Auswahl eines Tools getan, sondern es Bedarf einer E-Lerning-Konzeption. Es gibt auch nicht das eine E-Leraningkonzept. Letzteres hängt von vielen (individuellen) Apekten ab, wie z.B. vorhandene Hard- und Software-Infrastruktur und persönliche Vorlieben bezüglich des didaktischen Konzeptes. Letztendlich muß man sich hier "try and error"-mäßig dieser Tehmatik als Neuling nähern. Nachfolgend das Setting, welches ich mir so zusammengestellt habe und damit bisher gute Erfahrungen gemacht habe.
  • Zeichne meine Vorlesungen jede Woche mit Zoom auf und stelle diese Vorlesungsvideos in dem entsprechenden Moodle-Kurs den Studierenden zur Verfügung. Über die Moodle-Funktion "Berichte - Logdaten" kann ich nachvollziehen, wie gut/schlecht das Angebot angenommen wird..

  • Skripte inklusive Aufgaben und Lösungen am Ende des Skriptes habe ich schon in Zeiten vor Corona den Studies am Anfang des Semesters ausgeteilt, weil es mir wichtig ist, dass jeder Studierende ein ausgedrucktes Skript hat, in dem in der (physischen oder digitalen) Vorlesung Notizen gemacht werden können.
  • Zudem gibt es für die Grundstudiumsveranstaltungen einen E-Tutor. Diesem können die Studierenden per Moodle Fragen zur Vorlesung und/oder Übungsaufgaben stellen und meine studentische Hilfsraft beantwortet diese über Moodle. Im Innverhältnis tauschen meine studentische Hilfskraft und ich uns bezüglich schwieriger Anfragen aus.

  • Des weiteren habe ich (auch schon in der Vor-Corona-Zeit) ein Online-Trainingstool vom NWB-Verlag erworben, auf das die Studierenden über den Moodel-Kurs zugreifen können. Hier können die Studierenden spielerisch und online das Erlernte anwenden. Zur Motivation dieses Tool zu verwenden kommen einige der Fragen aus dem Tool auch in der Klausur dran.
  • Einmal in der Woche zu der regulären Vorlesungzeit biete ich einen VideoCall (über Zoom) für 30 Minuten an, wo ich den Studierenden aktuelle Informationen zu unserer Vorlesung gebe, mir Feedback von den Studierenden einhole und sonstige Fragen beantworte. Darüber hinaus erreicht mich jeder Studierende jederzeit per Mail.

  • Meine bisherigen (ersten) Erfahrungen mit dem VideoCall sind anders als erwartet. Anstatt dass diese möglicherweise überlastet oder laut bzw. unruhig wären, nehmen im Grundstudium nur gut 10% und im Schwerpunkt nur 30% das Angebot wahr. Die, die sich einloggen sind mit der Technik offenbar gut vertraut; sie haben alle auf stumm geschaltet und die Kamera aus. Es ist wie in den meisten (Grundstudiums-) Vorlesungen, keiner sagt was. Ich habe dann erst einmal in Ruhe die Funktionalitäten des VideoKonferenzTool erklärt und auf die Möglichkeit der Chatfunktion hingewiesen. Auch da hatte ich noch keinerlei Feedback von den Studierenden. Und dann habe ich selber die Chartfunktion genutzt und die Studierenden per Chat gefragt, ob Sie mich verstehen und sehen. Und dann kamen einige "aus der Deckung" und haben per Chat zurückgeschrieben.
  • Denke, dass Hauptproblem bei der digitalen Lehr wird wie (bzw. ggf. verstärkt) bei Präsenzveanstaltungen sein; nämlich die Studierenden rechtzeitig ans Lernen zu bekommen. In der Regel fangen bei mir die Studierenden erst 3 Wochen vor der Klausur an, sich das Wissen anzueignen. Schicke nun zum Ende der Woche immer eine Reminder-Mail über Moodle an die Studies mit dem Hinweis, dass bis Sonntag die Vorlesungsdatei der laufenden Woche abgearbeitet sein sollte und dass es in Kürze die Videodatei für die nächste Woche gibt.

  •  Ich könnte mir vorstellen, dass mit dem Aufzeichnen der Vorlesungen so fortzusetzten und dann darauf aufbauend in den nächsten Semestern mit flipped classroom zu starten. Sprich, dass die Studierenden sich dann Zuhause anhand meiner aufgezeichneten Vorlesung und dem Skript den Stoff aneignen und dann z.B. die Studierenden in der eigenltichen Vorelsung in Gruppen abwechselnd den Stoff der letzten Woche zusammenfassend ihren Kommilitonen/innen präsentieren und die Lösungen der Aufgaben vorstellen. Die Überlegung dabei ist, dass man so ggf. die Studierenden früher ans Lernen des Stoffes bekommt und sie zusätzliche Kompetenzen erwerben, wie z.B. neue Lerninhalte zusammenzufassen, diese innerhalb einer Gruppe in eine Präsentation zu bringen und dann vor den Studierenden zu präsentieren.
  • Um digitalen Vorlesungsstoff abwechslungsreicher zu gestalten, kann man überlegen, ob man nicht auch auf Gamification setzen möchte.  Hier geht es um die Fragestelltung, wie man die Studiernden spielerisch ans Lernen bekommt. Habe dieses anhand einer kostenlosen Rechnungswesen App des NWB-Verlages ausprobiert, die wie "Wer wird Millionär" funktioniert. Mehr Infos hierzu in dem beigefügten Artikel von mir.


  • Feedback eines Studierenden zu meine E-Learing-Konzept:

" ....Rechnungswesen ist nun nicht mein Lieblingsfach :-) Dennoch bin ich sehr begeistert, wie sie die Vorlesung umgesetzt haben.

Durch die Online-Vorlesung kann ich den Inhalt viel besser verstehen , da es mir auch sehr schwer fällt, den Stoff selbst beizubringen.

Ich bin nun im 4. Semster und nehme an acht Vorlesungen teil. Sie sind bis jetzt der einzige, der dieses Tool der Online-Vorlesung nutzt. Ich finde es wirklich schade, dass die anderen Dozenten dies nicht umsetzen, gerade weil man die Möglichkeiten in der heutigen Zeit hat. Bei manchen machen wir auch Zoom-Meetings um Gruppenarbeiten zu besprechen aber viele laden nur Aufgaben hoch. Also, großes Lob an Sie :) ...."

 


 
 
 
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